Tagebuch Hornstorf 2002
Teil 8 von 11
07.07.2002 Auch heute war es bei ca. 21°C sehr bedeckt und nur selten
kam die Sonne durch. Am Horst ist heute nichts Außergewöhnliches
geschehen. Noch immer sind die Jungstörche nicht am Fliegen und trainieren fleißig ihre Flugmuskeln.
08.07.2002 Kurz nach der Fütterung der Jungen flog das Weibchen wie schon so oft auf das naheliegende Dach und
beobachtete von dort den Horst. Schade, dass sich nur das Weibchen auf einem der Dächer aufhält, denn sonst hätte ich die
Ringdaten vom Männchen sicherlich ablesen können. Man kann eben nicht alles haben. Später kam das Männchen zum Horst
zurück und setzte sich ruhend hin. Unruhig wurde es, als ein Fremdstorch vorbeiflog und diesen zweimal überflog. Es kam
zum Glück nicht zum Angriff. Die beiden Jungen verhielten sich wieder wie gehabt ruhig und flach liegend. Einiges später
ergab sich ein schönes Bild, als die beiden Jungstörche sich fast synchron am Hals gekratzt hatten.
09.07.2002 Ein wirklich spannender Storchentag bei sommerlichen 33°C und ein wenig Südwind. Am frühen Morgen konnte ich das
Weibchen auf einem von der Straße aus einsehbaren Feld bei der Nahrungssuche beobachten. Später am Horst konnte ich nur einen
der beiden Jungstörche sehen und schaute mich in der nahen Umgebung um, der ältere der beiden Jungvögel ist heute das erste
Mal ausgeflogen. Er hielt sich auf dem Feld unterhalb des Horstes zusammen mit seiner Mutter auf. Sie hielt sich sichernd, nur
wenige Meter entfernt zum Jungvogel auf. Der Junge hatte versucht, Beute zu machen und war die ganze Zeit in Bewegung. Nachdem
das Weibchen losflog und dem Jungstorch den Anflug zum Horst vorführte, sollte der Jungstorch sicherlich nachkommen. Er schaute
sich das Manöver in aller Ruhe an und war zuerst nicht besonders beeindruckt. Als dann das Weibchen den Horst wieder verlassen
hatte, flog es direkt auf das naheliegende Hausdach und fing an zu klappern. Dies sollte die Aufmerksamkeit des auf dem Feld
verweilenden Jungvogels auf sie lenken. Nun versuchte der Jungstorch den ersten Feldstart. Auf Grund, dass es fast windstill
war, schien der Start nicht so einfach und wurde abgebrochen. Der Jungstorch suchte schreitend eine Stelle, an der ein wenig
mehr Wind sein sollte. Immer wieder wurden die Flügel gespannt und der Start versucht. Endlich konnte der Junge durch eigene
Kraft starten und flog Richtung Horst. Der dort anwesende und noch sehr unsicher wirkende Jungstorch sah den Anflug und fing sofort
an zu klappern. Sofort drehte der im Flug befindliche Junge ab und flog eine weitere Runde über Hornstorf und landete wieder auf
einem direkt unter dem Horst liegenden Feld. Die ganze Zeit beobachtete das auf dem Dach stehende Weibchen und der am Horst
verbliebene Jungvogel das Geschehen. Einige Male hatte ich angenommen, dass auch der zweite Jungstorch losfliegen würde. Er
schien noch verunsichert und zögerte immer wieder mit dem ersten Start. Kurz darauf kehrte das Männchen zum Horst zurück. Das
Weibchen war noch immer auf dem Dach und schaute, was die beiden Jungstörche machen. Eine Weile später flog das Männchen zu dem
auf dem Feld verweilenden Jungstorch und setzte sich dort in aller Ruhe ins Gras und übernahm die Sicherung des Jungvogels. Einige
Zeit später flog das Weibchen, mit einer kleinen Trinkpause, zur Nahrungssuche auf das gleiche Feld wie heute Morgen.