Weißstörche in Norddeutschland
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Storchen-Lebenslauf

Ort: Hornstorf

Landkreis: Herzogtum Lauenburg (Schleswig Holstein)


Nachdem ich im Jahr 2002 ein ausführliches Tagebuch über das Hornstorfer Weißstorchen-Paar geschrieben und bebildert habe, möchte ich an dieser Stelle einen Lebenslauf des männlichen Storchs aufzeigen. Natürlich ist dieses nur möglich, da der Storch am linken Bein beringt wurde. Sieht man von der Verhaltensweise des Storchs ab, ist es das einzig sichere Erkennungsmerkmal.

Der Weißstorch mit der Ringnummer "Helgoland 803K" ist 1985 im Wildpark Eekholt (Großenaspe / Landkreis Segeberg / Schleswig-Holstein) von Herrn U. Peterson beringt worden. Erst zwei Jahre nach der Geburt im Gehege hat er 1987 den Wildpark verlassen. Bereits Anfang Dezember 1987 wurde er im Kreis Pinneberg am Wedel-Fährmannssand gesichtet. Bis 12.01.1988 hielt er sich in Haseldorf-Hohenhorst (Landkreis Pinneberg) und danach bis Anfang April 1988 wieder am Wedel-Fährmannssand auf.

Im Winter 1988/89 wurde ein bedingter Weißstorch häufig bei Wedel gesichtet. Leider konnten die Ringdaten vom Beobachter nicht einwandfrei abgelesen werden. Diese Schwierigkeiten hatte ich persönlich auch, denn wie bereits in meinem Tagebuch beschrieben, ist der Ring am linken Bein, sozusagen am Knöchel angebracht und somit schlecht abzulesen.

Am 06. und 07.04.1989 wurden zwei Störche beim Übernachten im Kreis Dithmarschen in Pahlen gesichtet. Der eine Storch hatte keinen, der andere am linken Bein einen Ring. Auch hier kam es leider nicht zur genauen Erfassung der Ringdaten. Es ist aber stark angenommen worden, dass es der Storch sei.

Im Sommer 1989 wurde im Landkreis Herzogtum Lauenburg auf dem Mast in Duvensee der Horst neu besiedelt. Hier konnte der Storch wieder eindeutig am Ring identifiziert werden. Der Partnerstorch hatte keinen Ring und gemeinsam zogen sie einen Jungen auf. Anfang September ist der unberingte Brutvogel mit dem Jungen weggezogen. Der beringte Storch blieb bis Mitte September. Am 19.11.1989 konnte der Weißstorch anhand der Ringdaten am Asselersand an der Unterelbe (Kreis Stade) und zur Übernachtung auf einem Dach in Assel eindeutig erfasst werden.

In den folgenden Jahren sollte sich der männliche Storch immer wieder in Duvensee (Kreis Herzogtum Lauenburg) zur Brutzeit aufhalten. Am 10.06.1990 konnten die Ringdaten abgelesen werden. Er hat mit seiner unberingten Partnerin drei Junge aufgezogen. Auch in den Folgejahren bis einschließlich 1997 kam der Storch immer wieder nach Duvensee. Allerdings blieb der Weißstorch im Jahr 1997 bis Anfang März alleine am Horst. Es ist anzunehmen, dass die Partnerin verunglückt ist. In der folgenden Saison wurde der beringte Storch in Duvensee nicht mehr gesichtet und seine Spur verlor sich.

Es sind leider keine Informationen über die Brut-Orte in den Jahren 1998 bis 2000 erfasst worden. Allerdings wurde der Storch am 06.10.1999 und am 10.02.2000 in Villars- Les- Dombes, das ist etwa 25 Km nordöstlich von Lyon (Frankreich) gesichtet. Der Ort liegt auf der westlichen Zugroute der Weißstörche und ist von vielen Fischteichen umgeben. Ich kann mir gut vorstellen, dass er zu dieser Zeit bereits in Hornstorf gebrütet hat.

Im Jahr 2001 hatte ich das erstmals das Storchenpaar in Hornstof (Kreis Herzogtum Lauenburg) beobachtet. Der männliche Vogel kam am 09.03.2001 bereits sehr früh aus dem Winterquartier zurück. Ich konnte leider die Daten auf dem Ring nicht sicher ablesen. Da es mir und dem Storchenbetreuer Gernot Blum auch im folgenden Jahr nicht gelang haben wir den Storchenexperten Herrn Georg Fiedler informiert. Er konnte den am 01.02.2002 extrem früh zurückkehrenden Storch, am 03.08.2002 beobachten und den Ring genau ablesen. Zu dieser Zeit waren die zwei Jungstörche bereits ausgeflogen und das Storchenpaar hielt sich ruhend am Horst auf. Bei dieser Gelegenheit stellte Herr Fiedler auch die von mir bereits 2001 beobachtete Gehbehinderung fest. Es sind zwei Zehen am linken Fuß verkümmert, wahrscheinlich durch Erfrierungen. Weitere Informationen für das Jahr 2001 und 2002 können Sie in meinem Storchentagebuch auf dieser Webseite nachlesen.

Am 24.02.2003 kehrte der Storch nach Hornstorf zurück. Auch in dem Jahr war er wieder der erste Weißstorch im Landkreis Herzogtum Lauenburg. Es ist anzunehmen, dass er auch in diesem Winter nur die nötigste Strecke ins Winterquartier zurücklegte. Dies ist leider nur eine Annahme, die nicht bestätigt ist. Zwischen dem 28.02.2003 und 03.03.2003 hielt sich der Storch regelmäßig für kurze Zeit im Garten von Herrn D. in Duvensee auf. Herr D. informiert, dass er in den letzten acht Jahren den beringten Weißstorch im Frühjahr gefüttert hat. Im Jahr 2003 hat der beringte Storch seine Partnerin mitgebracht, sie kamen immer aus Richtung Hornstorf! Zwischen Hornstorf und Duvensee liegen etwa 14 Km Luftlinie. Kurz nach der Fütterung flog der Storch wieder in Richtung Hornstorf fort. Am 05.04.2003 hielt sich der Männchen gegen 15:00 Uhr das letzte Mal bei Herrn D. auf. Das Weibchen kam sogar am 06.04.2003 (nach Brutbeginn, am 03.04.2003) zu Fütterung nach Duvensee. Danach wurden beide Störche in Duvensee nicht mehr gesichtet. Übrigens, am Horst von Duvensee wurde er nicht gesichtet. Das Duvenseer Storchenpaar der letzten Jahre kehrte 2003 nicht zurück und der Horst blieb leer.

Für das Hornstorfer Storchenpaar war es ein gutes Storchenjahr 2003. Am 02.05. waren die ersten Küken im Nest zu beobachten und in den folgenden Tagen stellte sich heraus, dass es vier Jungstörche sind. Wie ich in der Bildbeschreibung in diesem Thema geschildert habe, fiel einer der Jungstörche am 08.05. dem Kronismus-Verhalten der Elternvögel zum Opfer. Die anderen drei Jungen konnten am 10.07. gesund den Horst verlassen und zogen gegen Ende August kurz vor den Eltern in den Süden. Auch in diesem Jahr hatte ich öfter das Gefühl, dass der männliche Storch durch sein Alter und der Gehbehinderung erschöpft wirkt.

Wie in den Jahren zuvor kam der Hornstorfer Storch recht früh zurück, allerdings einiges später als gewohnt. Am 12.03.2004 wurde er das erste Mal am Hornstorfer Horst gesichtet. Das Weibchen kam bereits am 09.02.2004 zurück und wartete auf ihren Partner. Auch in diesem Jahr war das Männchen bei Herrn D. in Duvensee am 11.03. gegen 7:00 Uhr zu Gast und hat sich füttern lassen. Bereits am 13.03. gegen 13:30 Uhr wurde dort der Hornstorfer Storch mit der starken Gehbehinderung das letzte Mal gesehen. Gegen Ende der Kalenderwoche 14 wurde mit der Brut am Hornstofer Horst begonnen. Die zwei Jungstörche schlüpften in der Kalenderwoche 19. Am 16.05.2004 konnte ich einige Aufnahmen von der Storchenfamilie machen.

Beide Jungstörche sind in der Kalenderwoche 29 Flügge geworden. Bereits in der Kalenderwoche 33 ist keiner der Storchenfamilie am Horst zu sehen gewesen. Es ist anzunehmen, dass die Störche sich zu dieser Zeit in der Nähe von Klempau und Göldenitz aufhielten, denn dort waren immer wieder mehrere Störche zu beobachten. Sie haben sich dort gesammelt, um in der 35. Kalenderwoche gemeinsam in den Süden zu ziehen.

Für das Jahr 2005 liegen mir zum Hornstorfer Männchen keine Neuigkeiten vor. Der Horst war zwar für wenige Wochen (ab 07.03.2005) von einem Weißstorch besetzt (wahrscheinlich dem Weibchen der letzten Jahre) aber der männliche, beringte Partner bliebt aus. Die letzte Ringablesung durch Herrn G. Fiedler war am 19.08.2004 am Horst von Hornstorf. Leider kann ich im April 2006 nicht feststellen, ob der Storch vielleicht durch seine Gehbehinderung verendet ist.

Nach langer Ungewissheit, kann ich aus zuverlässiger Informationsquelle schreiben, dass der männliche Weißstorch mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit zwischen der 35. und 37. Kalenderwoche im Jahr 2004 an Altersschwäche verendet ist. Der schon lange Zeit zuvor sehr schwach wirkende männliche Weißstorch wurde nach der Brutsaison 2004 fast ausschließlich auf dem Feld unterhalb des Horstes gesichtet. Er flog nicht mehr, hielt sich somit weder am schützenden Horst noch auf einem Dachfirst auf. Der sehr schwache Storch ließ keinen Rettungsversuch durch den Menschen zu. Es war nur eine Frage der Zeit, dass er letztendlich dem in der Nähe lebenden Rotfuchs zum Opfer fiel.

An dieser Stelle möchte ich mich bei allen Beteiligten für die gute Zusammenarbeit bedanken. Einen ganz besonderen Dank für die stets sehr gute Zusammenarbeit möchte ich an den Storchenbetreuer Gernot Blum und dem Storchenexperten Georg Fiedler aussprechen. Ohne deren Mitwirken hätte ich diese Informationen nicht zusammenstellen können.

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